Die Macht der Außenwirkung: Stärken erkennen, blinde Flecken schließen, souverän führen
- Christoph Klausing
- 16. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Menschen in Führungs-, Vertriebs- oder politischen Rollen stehen permanent im Licht der Wahrnehmung anderer. Jede Entscheidung, jede Formulierung und sogar jeder nonverbale Eindruck wirkt — auf Mitarbeitende, Stakeholder, Kundinnen und Kunden, Medien, politische Gremien und die Öffentlichkeit.
Trotzdem ist ein systematisches Verständnis der eigenen Wirkung selten. Viele verlassen sich auf Erfahrung, Intuition oder vergangene Erfolge. Doch je sichtbarer eine Position ist, desto stärker entstehen Verzerrungen: weniger ehrliches Feedback, mehr Zuschreibungen, mehr Rollenambiguität.
Genau hier entsteht das zentrale Thema moderner Coachingarbeit für Executives: Stärken präzise identifizieren, blinde Flecken erkennen und Selbst- wie Fremdwahrnehmung bewusst steuern.
1. Die Mechanik der Selbstwahrnehmung – warum sie für Führung heute unverzichtbar ist
Selbstwahrnehmung bedeutet nicht Nabelschau. Sie ist eine professionelle Kernkompetenz, die maßgeblich bestimmt, wie Führung wirkt. Dazu gehören:
Bewusstsein über die eigenen Stärken— nicht nur im Sinne von Fähigkeiten, sondern im Sinne von Wirkung.
Erkennen persönlicher Muster— wie reagiere ich unter Druck? Was treibt mich an? Was irritiert mich?
Reflexion der eigenen Rolle— was strahle ich aus, was transportiere ich, was erwarte ich unbewusst?
Je höher die Position, desto entscheidender dieser Punkt.Denn Menschen in exponierten Rollen erhalten selten ungefiltertes Feedback – und unterschätzen deshalb oft, wie stark ihre Wirkung auf andere bereits ist.
Selbstwahrnehmung ist somit die Grundlage für Professionalität:Sie schützt vor Übersteuerung, schützt vor Selbstüberschätzung und verhindert, dass „Routine“ zur unbeabsichtigten Risikozone wird.
2. Blinde Flecken – was andere sehen, wir aber nicht
Blinde Flecken sind die Bestandteile unseres Verhaltens, die anderen auffallen, uns selbst jedoch entgehen. Sie können harmlos sein — oder strategisch hochrelevant.
Typische Beispiele aus der Praxis:
Führungskräfte, die sich als offen wahrnehmen, während das Team sie als unnahbar erlebt.
Vertriebspersönlichkeiten, die sich als lösungsorientiert sehen, während Kunden sie als druckvoll empfinden.
Dezernenten oder Abgeordnete, die sich als klar strukturiert sehen, während Ratsmitglieder oder Bürger ihre Kommunikation als abstrakt oder unzugänglich erleben.
Geschäftsführende, die sich für ruhig und analytisch halten, während ihr Umfeld sie als zögerlich wahrnimmt.
Solche Unterschiede sind nicht Ausdruck von Schwäche — sie sind eine systemische Folge von Verantwortung und Sichtbarkeit.
Blinde Flecken entstehen, wenn:
Menschen nicht widersprechen,
Kritik aus politischen, hierarchischen oder wirtschaftlichen Gründen ausbleibt,
Rollenidentität und Personalität verschmelzen,
Führungskräfte zu lange unbeobachtet erfolgreich waren,
Wirkung und Intention auseinanderlaufen.
Professionelle Coachingarbeit macht diese Differenzen sichtbar — sachlich, strukturiert und ohne Bedrohung.
3. Fremdwahrnehmung – was entscheidend ist, aber selten bewusst gestaltet wird
Fremdwahrnehmung ist nicht „Meinungsmanagement“. Es geht nicht darum, sich zu verbiegen, sondern zu verstehen:
Welches Bild entsteht von mir?
Welche Erwartungen knüpfen andere an meine Rolle?
Wie werden meine Botschaften tatsächlich interpretiert?
Welche Wirkung hat mein Verhalten, unabhängig von meiner Absicht?
Menschen mit Außenwirkung – Führungskräfte, Vertriebsleitungen, politische Mandatsträger, Verwaltungsleitungen – agieren in komplexen Wahrnehmungsfeldern: öffentlich, intern, fachlich, politisch, strategisch.
Wer diese Felder nicht versteht, verschenkt Wirkung. Wer sie aktiv gestaltet, gewinnt Vertrauen, Klarheit und Handlungsspielräume.
4. Professionelle Positionierung: Warum Selbstbild und Fremdbild zusammenpassen müssen. Die Macht der Außenwirkung.
Positionierung im Executive-Bereich ist keine Image-Arbeit. Die Macht der Außenwirkung ist eine Frage von:
Konsistenz
Klarheit
Verantwortung
Wirkung
Wenn Selbstbild und Fremdbild nicht zueinander passen, entstehen Reibungsverluste:
Mitarbeitende zweifeln an Verlässlichkeit.
Kunden zweifeln an Kompetenz oder Glaubwürdigkeit.
Bürgerinnen und Bürger zweifeln an Integrität oder Transparenz.
Lieferanten und Partner zweifeln an Verbindlichkeit.
Gremien zweifeln an Autorität oder Entscheidungsstärke.
Professionelle Positionierung bedeutet:Ich weiß, wie ich gesehen werde — und wie ich gesehen werden will.Die Differenz zwischen beiden Feldern ist strategische Führungsarbeit.
5. Wie Coaching diese Lücke schließt – fundiert, strukturiert, wirksam
In meiner Arbeit mit Executives, politischen Führungspersonen und Vertriebsleitungen folgen wir einem klaren Prozess:
🧩 1. Selbstwahrnehmung präzisieren
Durch systemisches Arbeiten, Werteanalysen, Rollenklärung, Führungsdiagnostik und biografisch geerdete Reflexion entsteht ein stabiles, realitätsnahes Bild der eigenen Stärken und Entwicklungsfelder.
🔎 2. Fremdwahrnehmung systematisch erschließen
Nicht als Feedbackrunde, nicht als „Stimmungslage“, sondern als strukturiertes, methodisch fundiertes Verfahren:
Wirkung im Team
Wirkung in Verhandlungen
Wirkung bei Kundengesprächen
Wirkung in politischen oder strategischen Sitzungen
Wirkung gegenüber Stakeholdern
Dies schafft Klarheit ohne Bewertung.
🎯 3. Positionierung entwickeln und schärfen
Hier wird herausgearbeitet:
Wie möchte ich wirken?
Wie soll meine Rolle verstanden werden?
Welche Botschaften transportiere ich bewusst – und welche unbewusst?
Welche Art von Führung, Präsenz oder Kommunikation entspricht meiner Identität und meiner Aufgabe?
This ist keine Marketingarbeit. Es ist Führungsarchitektur.
6. Warum dieses Thema gerade jetzt so wichtig wird
Organisationen sind komplexer geworden. Öffentliche Kommunikation ist schneller. Politische und wirtschaftliche Räume sind volatiler.
Die Folge:
Führungskräfte müssen klarer wirken als früher.
Vertrieb muss subtiler überzeugen.
Politik muss transparenter kommunizieren.
Verwaltung muss präsenter und dialogfähiger sein.
Unternehmen müssen authentischer auftreten.
All das gelingt nur, wenn Selbstwahrnehmung und Wirkungskompetenz zusammenpassen.
Professionelle Wirkung beginnt mit professioneller Selbstkenntnis
Wer Verantwortung trägt, muss wissen, wie er oder sie wirkt. Nicht, um zu gefallen — sondern um handlungsfähig zu bleiben. Nicht, um Fehler zu vermeiden — sondern um Wirkung strategisch zu gestalten. Nicht, um sich zu verstellen — sondern um klar und authentisch aufzutreten.
Ein Coaching mit mir bietet hier keinen „Trick“ und kein Rezept. Es bietet den Raum, die Methodik und die professionelle Distanz, um das sichtbar zu machen, was im Alltag verborgen bleibt. Stärken erkennen. Blinde Flecken verstehen. Wirkung gestalten.






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